Nachdem heute nichts Weltveränderndes passiert ist, möchte ich die Zeit, die ich dank meiner Schlafstörung diese Nacht dazu gewinne, dafür nutzen, euch mehr über mich und meine Vergangenheit zu erzählen.
Anfangs gleich einmal zu meiner "Krankengeschichte":
Ich bin weder diagnostiziert noch war ich jemals bei einem Arzt/Psychiater wegen meiner Essgewohnheiten.
Jedoch kann man schwer leugnen ein Problem zu haben, wenn man sich nach jeder Mahlzeit im Bad einschließt, um zu "duschen".
Viele Faktoren spielen eine Rolle. Machten mich zu dem Menschen, dem verwirrten Mädchen, das ich heute bin. Man kann viel dafür verantwortlich machen:
Eine strenge Mutter. (die selbst genug Probleme hat)
Ein Vater, der nie zuhause ist.
Einen kleinen Bruder, für den man zurück steckt.
Eine Neigung zum Perfektionismus, seit jüngster Kindheit.
Die Scheidung der Eltern.
Doch Ausschlag gebend war Frühjahr 2011.
Meine gesamte Zukunft, perfekt geplant, brach zusammen - und kein Back-up Plan.
Ich stand da. Ohne den Sinn des Lebens zu erkennen. Leben hatte keinen Sinn mehr für mich.
Und so verfiel ich in eine schwere Depression, suchte Trost in Messern und Rasierklingen
Ich versuchte mich abzulenken und das Erste, das mir auffiel - etwas, das ich unbedingt pefektionieren wollte - war mein Körper. Ich dachte "hey, wenn schon keine perfekte Zukunft, dann kann doch wenigstens Ich perfekt sein."
Ich verlor mich auf "Pro-Ana"- Seite, ein Trend, den ich zutiefst abstoßend finde (jeder, der eine ernstzunehmende Essstörung hat, weiß, dass es nichts "wunderschönes" oder "englesgleiches" hat, sein Leben buchstäblich die Toilette runterzuspülen)
Aber trotz Extremdiäten nahm ich nicht so effektiv ab, wie ich es gern gehabt hätte.
Im Juli 2011 startete ich ein neus Leben in Amerika, als Austauschschülerin für ein Semester. Im "glorreichen America", das jedoch von Essstörungen (und Fett) nur so trieft, rutschte ich komplett in die Bulimie. Ich bekam eine "fuck it all - I don't care" Einstellung.
Meine Gastmutter bemerkte meine Situation, doch ich ließ mir nicht helfen.
Als ich im Jänner heimkam, 10 Kilo leichte, trotz amerikanischer Fast Food Küche, war meine Mutter so unglaublich stolz auf mich und meine neue Figur, dass sie gar nicht bemerkte, wie dreckig es mir ging. Sie verschließt noch immer die Augen vor dieser Situation. Sagt, ich sei bloß faul (dabei macht mich das ganze Kotzen so müde...).
Im Frühjahr 2012, genau ein Jahr nachdem mein Leben diese Abwärtsspirale startete, begann die "Beziehung" zwischen mir und P., meinem jetzigen Freund. Ich bin überglücklich mit ihm, jedoch nagen mich Selbstzweifel. Er weiß von meinem Cutting (ich finde den Begriff "Ritzen" extrem hässlich), bleibt aber trotzdem bei mir. Ehrlich, ich weiß nicht womit ich ihn verdient habe..
Von meiner ES weiß er natürlich nicht, und ich werde mein Möglichstes tun, dass das so bleibt.
Jedoch weiß ich selbst, dass sich etwas ändern muss.
Meine Essstörung vermiest mir nun seit 1 1/2 Jahren das Leben. Mein gestörtes Verhalten hindert mich daran, meine Möglichkeiten voll auszuschöpfen.
Vorallem aber tötet sie mich.
Ich habe leichte Herzrhythmusstörungen, mir fallen die Haare aus, meine Fingernägel brechen ab, ich laufe seit August in einer Winterjacke herum.
Ganz zu schweigen von den Schlafstörungen, die ich dank meiner Psyche habe.
Ich bin oft tagelang wach - 3 h Schlaf pro Nacht sind für mich Luxus. Ich bekomme überraschend Panikattacken, mitten in der Nacht, und das einzige, an das ich dann denke ist die unterste Schublade meines Nachtkästchens, in dem sich Rasierklingen, zerbrochene Spiegel und genug Tabletten für eine Überdosis befinden, die mich jederzeit umbringen könnte.
Ich schlafe jede Nacht mit dem Gedanken ein, nicht mehr auf zu wachen - entweder weil mein Körper schlussendlich aufgibt, oder weil ich in meiner Panik die Lade öffne.
Das sind die Schattenseiten einer Essstörung.
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